FWV Neckarsulm - HSt Interview 2007

Freie Wählervereinigung Neckarsulm e.V.


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"Frauen beißen nicht so gerne um nach oben zu kommen"

Renate Kolb und Ingrid Böhringer macht ihr Job an der Spitze der Freien Wähler in Neckarsulm Spaß

Interview in der Heilbronner Stimme, Donnerstag, 10. Mai 2007

 

Eine weibliche Doppelspitze führt die Freien Wähler in Neckarsulm an. Vorsitzende Renate Kolb und ihre Stellvertreterin Ingrid Böhringer bilden nach wie vor eine Ausnahme in der politischen Landschaft. Heike Kinkopf hat sich mit den beiden unterhalten.

 

Frauen in Spitzenpositionen sind rar. Haben Sie ihre Position bei den Freien Wählern erkämpft, oder wollte sich kein anderer die Arbeit aufhalsen?

Ingrid Böhringer: "Erkämpfen mussten wir nichts. In der Kommunalpolitik werden immer Leute gesucht, die mitarbeiten möchten.
Renate- Kolb: Die Freien Wähler Neckarsulm achten nicht darauf, ob jemand ein Mann oder eine Frau ist, wenn es um das Besetzen bestimmter Positionen geht. Aber wir freuen uns natürlich über unseren großen Frauenanteil. Von 66 Mitgliedern ist etwa die Hälfte weiblich. Bei den jüngsten Kommunalwahlen hatten wir 26 Kandidaten auf der Liste, davon zwölf Frauen. Im Vorstand mit insgesamt 13 Mitgliedern sind sie sogar in der Überzahl.
Das ist untypisch.
Böhringer: Unsere Struktur spiegelt sicher nicht die Gesellschaft wider. Wo es um ehrenamtliche Arbeit geht, finden sich viele Frauen. Bei politischer Arbeit ist der Frauenanteil kleiner. Auf kommunaler Ebene mag das noch ein bisschen anders aussehen, aber in übergeordneten Gremien wie Kreistag oder Landtag mangelt es an Frauen.
Müssen Sie sich in den eigenen Reihen stärker behaupten als ihre männlichen Kollegen?
Kolb: Überhaupt nicht. Innerhalb des Vorstands hat sich die Aufgabenteilung einfach so ergeben. Grundsätzlich gilt: Wenn es mehr ums Arbeiten geht, als ums Ernten der Lorbeeren, sind Frauen zuverlässiger, williger und fleißiger. Dass sie nicht unbedingt mehr Zeit haben, zeigt Ingrid Böhringer: Sie hat drei Kinder, sie arbeitet, unterstützt ihren Mann und ist im Gemeinderat.
Welche Stärken bringen Sie für die Aufgabe bei den Freien Wählern mit?
Kolb: Von mir als Vorsitzende wird verlangt: Organisation und Motivation der Mitglieder, damit diese dabei bleiben. Kurzum: Die Zügel im Hintergrund zuverlässig in der Hand zu halten, damit die Arbeit unserer Wählervereinigung reibungslos funktioniert. Bei dieser Aufgabe kommt mir meine Fähigkeit, Dinge klar zu strukturieren, zugute.
Wie sieht das, bei Ihnen aus, Frau Böhringer?
Böhringer: Mein Schwerpunkt liegt auf der Gemeinderatsarbeit, unsere gemeinsame Politik nach außen zu vertreten und den Kontakt zu den Bürgern zu halten. Ich denke, ich kann gut auf Menschen zugehen und gut im Team arbeiten.
Die Kommunalpolitik wird überwiegend von Männern bestimmt.
Böhringer: Das stimmt schon. Ich denke, manche Frauen trauen ihrem eigenen Geschlecht zu wenig zu.
Kolb: Das sehe ich auch so. Gerade auch in konservativ geprägten Gegenden werden überwiegend Männer gewählt. Obwohl Frauen heutzutage draußen sind und arbeiten, schicken sie immer noch oft den Mann vor.
Warum streben Frauen seltener an die Spitze?
Kolb: Vielleicht weil Frauen nicht so gerne beißen und stechen, um nach oben zu kommen, auch nicht bei Positionen, für die es Geld gibt.
Wie lassen sich Mädchen und Frauen ermutigen, sich stärker in die Politik einzumischen?
Böhringer: In erster Linie durch Vorbilder. Ich habe drei Töchter, und die sollen ruhig sehen, dass man sich auch als Mutter engagieren kann.
Kolb: Es muss sich auch das, was in der Gesellschaft gefragt ist, ändern: Für mich sind eine Frau und ein Mann nicht gleich strukturiert. Eine Frau hat ganz andere Stärken, momentan sind vorrangig männliche gefragt. Nehmen wir die Wahl jetzt in Frankreich: die Frau von den Sozialisten, der Mann von den Konservativen. Er ist der ganz typische Beißer, der sich durchgesetzt hat. Bei ihr sagt man jetzt, sie sei zu menschlich. Und das wird nicht nach oben gewählt, weil viele denken: Mit Menschlichkeit komme ich nicht weiter, sondern nur mit Ellenbogen.
Macht Ihnen die Aufgabe Spaß?
Kolb: Ja. Ich kann nicht überall nur zuschauen und sagen: Irgendjemand wird es schon machen. Sondern ich sehe mich als Teil eines sozialen Gebildes, in dem jeder zumindest eine Zeit lang einen Beitrag leisten sollte.
Böhringer: Ich sehe die Aufgabe, mich in die Gemeinschaft einzubringen, fast ein bisschen als Verpflichtung an. Auf der anderen Seite bekomme ich dadurch die Chance, mein direktes Lebensumfeld mitzugestalten.

 

Zur Person

Renate Kolb

Die 52-Jährige war fünf Jahre Vorsitzende der Freien Wähler. Renate Kolb ist der Wählervereinigung im Jahr 1998 beigetreten und übernahm sofort einen Posten im Vorstand. Kolb unterrichtet an der Realschule Weinsberg Deutsch, Französisch und Bildende Kunst. Sie ist ledig und hat keine Kinder.

Ingrid Böhringer

Die stellvertretende Vorsitzende ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat drei Töchter im Alter von 13 bis 20 Jahren. Halbtags arbeitet sie in einem Pfarrbüro, und sie hilft ihrem Mann, der selbstständig ist, im Betrieb. Böhringer trat 1999 den Freien Wählern bei, heute gehört sie dem Gemeinderat Neckarsulm an.


kik

 


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